Brichard Immobilien: Drei Generationen, eine Begeisterung!
Wie alles begann und aus einer Idee eine erfolgreiche Hausverwaltung wurde.
Was braucht es, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen? Wie gewinnt man Vertrauen in einer Branche, in der es um große Verantwortung und viel Geld geht? Und wie fühlt es sich an, ein Familienunternehmen über Generationen hinweg weiterzuführen?
Leonie Brichard, die Tochter von Herrn KommR Oliver Brichard, MSc, hat ihn, sowie Gerhard Brichard (Firmengründer), Robert Trescher und Marvin Brichard, MSc (Bruder) zu ihren Anfängen, ihren größten Herausforderungen und ihrer persönlichen Sicht darauf, was Hausverwaltung für sie wirklich bedeutet, interviewt.
Mut zur Gründung
Was hat dich ursprünglich dazu motiviert, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und eine eigene Hausverwaltung zu gründen?
Gerhard Brichard: Nach meiner Wehrdienstzeit bin ich in der Versicherungsbranche gelandet – bei einer hervorragenden Gesellschaft, in der ich zwölf Jahre tätig war. Dort hatte ich die Möglichkeit, mir umfangreiche Kenntnisse in Verwaltung und Organisation anzueignen. Als Schadensreferent habe ich das Verwalten im Grunde schon dort gelernt. Versicherungsprämien wurden eingehoben, betreut und abgerechnet – vieles, was später in der Hausverwaltung wichtig wurde, war mir also vertraut.
Was mich allerdings gestört hat, war die begrenzte Möglichkeit, mein Einkommen selbst zu beeinflussen. In einer Aktiengesellschaft ist man stark von vorgegebenen Karrierewegen abhängig – und ich habe für mich keine echte Perspektive gesehen. Ich hatte meinen Kollektivvertrag in der Lade liegen und konnte genau ausrechnen, was ich in fünf oder zehn Jahren verdienen würde.
Gleichzeitig habe ich beobachtet, dass viele Hausverwaltungen enorme organisatorische Probleme hatten – für mich als Versicherungsprofi war das kaum vorstellbar. Unterlagen wurden nicht ordentlich abgelegt, sondern in Kisten gesammelt – für jedes Haus ein „Kisterl“, in das alles hineingeworfen wurde. Da dachte ich mir: Das ist doch eine Chance. Warum nicht selbstständig machen und es besser machen?
Wie es im Leben so spielt, ergab sich dann eine Gelegenheit: Zwei Investoren, die mehrere Häuser besaßen und Wohnungen renovierten sowie möblierten, suchten jemanden mit Gewerbeberechtigung, der die Verwaltung übernimmt. Man machte mir ein Angebot, das ich annahm. Ich wurde gewerberechtlicher Geschäftsführer und verwaltete ihren Bestand.
Doch auch hier war ich letztlich wieder Dienstnehmer – mit begrenzten Möglichkeiten. Also meldete ich meine eigene Selbstständigkeit an. Eine Mitarbeiterin begleitete mich zehn Jahre lang beim Aufbau der Verwaltung – ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen.
Bilder aus dem Firmenarchiv
Die ersten Monate: Realität statt Erwartung
Welche Erinnerungen hast du an die ersten Tage in deinem eigenen Unternehmen?
Gerhard Brichard: Ich war überzeugt: Ich brauche nur die Tür aufzusperren, und die Leute, die mich aus meiner früheren Tätigkeit kannten, würden kommen. Ich hatte viele Kontakte – aus der Verwaltung und auch durch meine Gesellschaftertätigkeit bei den Investoren.
Aber es kam niemand.
Gerade in der Hausverwaltung ist Vertrauen alles, schließlich verwaltet man fremdes Vermögen. Dieses Vertrauen musste man sich erst erarbeiten.
Es war ein erschütternder Moment, aber ich war nicht verzweifelt. Nach drei Monaten konnte ich mein erstes Vermittlungsgeschäft abschließen – ich habe ein Geschäftslokal vermittelt. Das war mein erster Erlös und ein wichtiger Motivationsschub.
Was wolltest du besser machen als andere Hausverwaltungen?
Gerhard Brichard: Das Wichtigste war für mich die monatliche Abrechnung für die Hauseigentümer. Ich hatte noch im Ohr, dass Eigentümer teilweise Jahre auf ihre Abrechnungen warten mussten. Bei mir bekam jeder monatlich eine transparente Abrechnung – und wenn ein Überschuss vorhanden war, auch sofort sein Geld.
Außerdem war es damals üblich, fixe Sprechstunden für Mieter anzubieten – vielleicht zweimal pro Woche für je eine Stunde. Das habe ich nie so gehandhabt. Ich war jederzeit erreichbar.
Ich habe auch meine Zeit nicht gestoppt. Viele Beratungen, die ich gemacht habe, hätten streng genommen nicht zur klassischen Hausverwaltertätigkeit gehört – etwa bei Erbschaftsfragen oder anderen persönlichen Anliegen. Aber die Menschen kamen zu mir, weil sie Vertrauen hatten. Und sie haben mich weiterempfohlen.
Wie viele Objekte hattest du nach dem ersten Jahr?
Gerhard Brichard: Ich glaube, es waren rund 30 Häuser. In unserer größten Phase waren wir sieben Mitarbeiter. Wir sind nach drei Jahren von der Panzergasse in die Weimarerstraße übersiedelt – dort waren wir zu viert in drei Zimmern. Später sind wir in die Peter-Jordan-Straße gezogen und haben anfangs nur einen Teil der Räumlichkeiten genutzt.
Logos / Firmenschriftzüge von 1976 bis jetzt
Ein Wegbegleiter: Robert Trescher
Was hat dich ursprünglich dazu bewegt, den Beruf des Hausverwalters zu erlernen?
Robert Trescher: Gerhard Brichard habe ich 1983 kennengelernt. Die Chemie hat von Anfang an gestimmt. Er wollte eigentlich vom ersten Tag an, dass ich bei ihm arbeite, aber es hat sieben Jahre gedauert, bis ich Ja sagte.
Davor war ich ebenfalls in der Versicherungsbranche tätig.
Wie war die Umstellung vom Versicherungsmakler in die Hausverwaltung?
Robert Trescher: Für mich war das keine große Umstellung, weil ich mich in der Versicherung, insbesondere in der Immobilienversicherung, bereits auf die Betreuung von Hausverwaltungen spezialisiert hatte. Meine Kunden waren Hauseigentümer und Hausverwalter, das Thema war mir also nie fremd.
Nun bin ich schon seit 1990 bei Brichard Immobilien, gegründet wurde die Firma 1976.
Hineingewachsen statt geplant: Oliver Brichard
Warum ist es bei dir der Beruf des Hausverwalters geworden?
Oliver Brichard: So genau weiß ich das gar nicht mehr. Ich erinnere mich nur, dass ich meinen Vater mit 16 oder 17 oft spät abends und auch am Wochenende arbeiten sah. Damals sagte ich: „So viel arbeiten werde ich sicher nie.“
Nach der Übernahme der Geschäftsführung Anfang der 2000er-Jahre hat er mich daran erinnert, dass ich das einmal behauptet habe.
Mit 16 habe ich im Unternehmen begonnen – Botengänge, Vergebührungen beim Finanzamt, Besichtigungen, einfache Tätigkeiten. Ich bin Schritt für Schritt hineingewachsen.
Wie ist dein beruflicher Werdegang weiter verlaufen?
Oliver Brichard: Nach der Matura absolvierte ich einen der ersten universitären Lehrgänge für „Recht und Technik im Liegenschaftsmanagement“ an der TU Wien. Für die Branche war das Neuland – viele junge Hausverwalter nahmen teil, und es entstand ein starkes Netzwerk, das mich bis heute begleitet. Gleichzeitig entwickelte sich ein offenerer, kollegialer Umgang innerhalb der Branche.
Als dann im Familienbetrieb eine langjährige Mitarbeiterin schwanger wurde und ausfiel, brauchte mein Vater Unterstützung. 1993 bin ich eingestiegen und übernahm ein Referat mit rund 120 Häusern. Ich stürzte mich mit voller Energie in den Job.
Die nächste Generation: Marvin Brichard
Warum ist es bei dir der Beruf des Hausverwalters geworden?
Marvin Brichard: Schon mit 15 oder 16 war ich durch die Erzählungen meines Vaters stark geprägt. Ich habe immer mitbekommen, wie es in der Firma läuft, welche Themen es mit Kunden gibt und welche Herausforderungen zu bewältigen sind. Das hat mich schon sehr früh interessiert.
2022, während Corona, gab es intern einige Veränderungen. Mein Vater fragte mich, ob ich unterstützen möchte. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch bei Ulreich Bauträger tätig und nicht sicher, ob Verwaltung langfristig mein Weg ist.
Aber mein Vater brauchte Hilfe – und wir sind eine Familie, da unterstützt man sich. Ich habe ein eigenes Referat übernommen und bin schnell in die Verantwortung hineingewachsen. Heute führe ich die Abteilung Wohnungseigentum und werde Schritt für Schritt an die Geschäftsführung herangeführt. Ich bekomme immer mehr Themen und Verantwortungsbereiche übertragen.
Inzwischen kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, mich nur auf einen Bauträger oder die reine Maklertätigkeit zu spezialisieren. Die Verwaltung ist so vielseitig und breit gefächert, es gibt immer genug zu tun, und ich bin damit sehr glücklich.








