Jobmessen: Warum niemand hingeht und was wir dabei verlieren
Es gibt sie noch, diese mächtigen Hallen voller Plakate, Roll-Ups und Tische mit Werbegeschenken. Die Luft durchdrungen von Erwartung und freudiger Aufregung, mit einem Hauch von Ambition und der Hoffnung auf das Unerwartete.
Vielleicht liegen die schwachen Besucherzahlen daran, dass Jobmessen oft als veraltet und ineffizient gelten. Wer will schon in seiner freien Zeit durch Messehallen schlendern, wenn man alles online recherchieren kann? Nur wenige nehmen sich die Zeit, um den wichtigsten Teil des Jobs zu entdecken: Die emotionale Komponente.
Aber auch die Veranstalter tragen große Verantwortung dafür, attraktive Formate zu schaffen, die gewünschte Zielgruppe im Vorfeld ausreichend und motivierend anzusprechen und den Sinn und Nutzen derartiger Veranstaltungen zu kommunizieren.
Doch wo bleibt die Begegnung?
In einer digitalisierten Welt, in der Bewerbungsunterlagen schnell und einfach über diverse Plattformen und Webseiten hochgeladen werden können, bleibt der persönliche Eindruck oft auf der Strecke. Jobmessen hingegen bieten die Chance auf ein echtes Zusammentreffen. Hierbei werden nicht nur Qualifikationen verglichen, vielmehr kann man Werte, Arbeitsweisen und Teamdynamik erleben. Weil es um weit mehr geht als nur einen Job. Wir verbringen einen Großteil unseres Lebens mit Arbeit, weshalb diese nicht nur zu unseren Fähigkeiten, sondern auch zu unserer Persönlichkeit passen sollte.
Umso wichtiger: Employer Branding – Das große Versäumnis
Aus Unternehmenssicht reicht es längst nicht mehr, eine offene Stelle einfach nur auszuschreiben und darauf zu warten, dass sich die richtige Person bewirbt. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es umso wichtiger, sich als Unternehmen authentisch zu präsentieren. Für ein „Perfect Match“ zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist es unerlässlich die Unternehmenskultur, die Mission sowie die Werte des Unternehmens zu kommunizieren, um gezielt jene Personen anzusprechen, die sich damit identifizieren können. Jedes Unternehmen kann sich so einzigartig am Arbeitsmarkt positionieren und von seinen Mitbewerbern abheben. Je realistischer das vermittelte Unternehmensbild, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich der/die passende Mitarbeiter*in bewirbt und das bestehende Team perfekt ergänzt.
Worauf wir vergessen: Die Bedeutung des persönlichen Kennenlernens
Die persönliche Einschätzung eines potenziellen Arbeitgebers ist umso genauer, je mehr wir erfahren, sehen und erleben. Obwohl wir meist mehr Zeit in der Arbeit als in unseren Wohnzimmern verbringen, wissen viele kaum mehr über ihre zukünftigen Chefs und Unternehmen als eine vage Vorstellung, die durch die Stellenanzeige vermittelt wird. Es ist doch absurd: Wir machen uns mehr Gedanken über den Kauf eines Autos oder den nächsten Urlaub als über den Ort, an dem wir im besten Fall die nächsten Jahre oder sogar Jahrzehnte verbringen werden.
Warum geben wir uns mit so wenig zufrieden?
Wie KommR Oliver Brichard, MSc, kürzlich in einem Gespräch treffend anmerkte:

KommR Oliver Brichard, MSc
Geschäftsführer Brichard Immobilien
Demnach sollten wir dem Prozess der Jobauswahl einen höheren Stellenwert beimessen. Täglich investieren wir Zeit, Energie und hoffentlich auch Leidenschaft in unseren Job – letzteres hängt davon ab, wie sehr wir uns mit unseren Aufgaben und unserem Umfeld identifizieren. Doch wie können wir sicherstellen, dass wir eben diese Leidenschaft leben und wir uns dabei in einer Umgebung befinden, die uns langfristig guttut und unterstützt? Dafür müssen wir mögliche Arbeitgeber besser kennenlernen – die wahren Werte, die Unternehmenskultur, die Menschen, die hinter den Leistungen stehen. Es geht darum, ein Arbeitsumfeld zu finden, das mit uns harmoniert, in dem wir aufblühen, statt uns an vielen Tagen nur durchzuschleppen.
Denn am Ende zählt nicht nur das Gehalt oder der Titel auf der Visitenkarte – es zählt, wie wir uns dabei fühlen. Die Philosophie eines Unternehmens, seine Haltung zu Mitarbeiterentwicklung, seine Vision und Mission: Das sind keine Floskeln, das sind die Bausteine für ein erfülltes Berufsleben. Wenn wir uns die Zeit nehmen, einen potenziellen Arbeitgeber wirklich kennenzulernen, profitieren wir auf lange Sicht. Wir gewinnen Sicherheit, dass wir eine Umgebung wählen, die zu uns passt, dass wir in einem Team arbeiten, das uns wertschätzt und mit dem wir gemeinsam wachsen, uns entfalten können. Der Job unserer Wahl sollte ebenso ein Ort sein, an dem wir zu jederzeit wir selbst sein dürfen, denn nur dann werden wir uns wahrhaftig angekommen fühlen. Und ankommen bedeutet bleiben. Wir sollten es uns wert sein, genauer hinzusehen und uns die Zeit nehmen, für diese Einblicke.
Am Ende geht es nicht nur um einen Job – es geht um ein Stück Leben.








